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Gute-Kita-Gesetz in Brandenburg

Wahlprüfstein

Gute-Kita-Gesetz in Brandenburg

Fachbereich Gemeinden; Landesfachgruppe Sozial- Kinder- und Jugendhilfe (SKJ): Wahlprüfstein zur Umsetzung

Brandenburg ist in Gespräche mit dem Bund zur Umsetzung des Gute-Kita-Gesetzes eingetreten. Laut Ministerium für Bildung, Jugend und Sport soll zeitnah vereinbart werden, wie die rund 164 Mio. Euro, die der Bund bis 2022 zur Verfügung stellt, in Brandenburg zur Verbesserung der Teilhabe und der Qualität in der Kindertagesbetreuung eingesetzt werden sollen. Die geplante Vereinbarung für Brandenburg soll zunächst für die Jahre 2019 und 2020 abgeschlossen werden. Weitere Schritte sind für die Zeit nach der Landtagswahl geplant. Das Land Brandenburg will, wie in der Vergangenheit, die Qualität in den Kitas verbessern und die Eltern entlasten.

Die Regierungsfraktionen im Landtag priorisieren derzeit folgende Maßnahmen.

  • 1. Ausweitung der Elternbeitragsfreiheit für Geringverdienende.
  • 2. Finanzielle Förderung längerer Betreuungszeiten.
  • 3. Mehr Zeit für Anleitung angehender Erzieherinnen und Erzieher in der tätigkeitsbegleitenden Ausbildung
  • 4. Elternbeteiligung stärken durch Elternbeiräte und eine Service- und Ansprechstelle nach Paragraf 45 SGB VIII für Eltern.

Aus Sicht der Landesfachgruppe Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe (SKJ) ist der wichtigste Punkt, den erforderlichen Fachkräftebedarf zu sichern, völlig unzureichend. Neben der Bindung von Fachkräften werden Schwerpunkte, wie Fachkräfte auszubilden und zu gewinnen, nicht berücksichtigt. Die vorliegenden Vorschläge umfassen auch nicht notwendige strukturelle Erfordernisse wie die Fachkraft-Kind-Relation, die zeitliche Berücksichtigung von Kita-Leitungsaufgaben und das Fachkräftegebot nach Paragraf 72 SGB VIII.

Wir fordern zur Verbesserung der Qualität in der Kindertagesbetreuung:

Fachkraft-Kind Relation: 1:3 für unter 3-jährige Kinder / 1:7 für über 3-jährige Kinder / 1:12 in Horten. Wobei es uns wichtig ist, dass es sich dabei um tatsächlich anwesende Fachkräfte handelt. Ausfallzeiten wie Urlaub, Fortbildung, Krankheiten u.a. müssen bei der Personalbemessung eingeplant werden. Zusätzlich muss sonderpädagogisches Personal vorgehalten werden. Inklusion bedarf individueller Förderung und die Personalbemessung muss sich am individuellen Bedarf der jeweiligen Kinder orientieren.

Weitere Forderungen der Landesfachgruppe

  • Auf die Fachkraft-Kind Relation bzw. auf den Personalschlüssel dürfen Erzieherinnen und Erzieher in Ausbildung, sowohl in der tätigkeitsbegleitenden, als auch in der Vollzeitausbildung, nicht angerechnet werden

  • Kita-Leitungskräfte sind wie folgt von der direkten Arbeit mit den Kindern freizustellen. Für jede Kindertageseinrichtung ist wöchentlich ein Zeitsockel von 20 Leitungsstunden und ein variabler Anteil, der sich an der Zahl der Beschäftigten (eine Stunde pro beschäftigter Mitarbeiter*in) in der Kita bemisst, einzuplanen und mit Leitungskräften zu besetzen.

  • Für die Vor- und Nachbereitung der pädagogischen Fachkräfte sind wöchentlich fünf Stunden je Fachkraft zu berücksichtigen.

Die von der Landesregierung favorisierten Maßnahmen sind überwiegend auf die Eltern ausgerichtet. Sowohl die vorgeschlagene Verlängerung der Öffnungszeiten als auch die geplanten Anleitungsstunden erfordern mehr Personal. Ohne Maßnahmen, die den Fachkräftebedarf sichern und ausbauen, werden die von der Landesregierung vorgesehenen Maßnahmen nicht umzusetzen sein. Die Umsetzung des „Gute-Kita-Gesetzes“ in Brandenburg sollte sich daher zunächst auf Personalgewinnung und die Fachkräfteausbildung konzentrieren.

Hierzu fordert ver.di:

  • Die Stärkung des Lernortes Praxis, Kapazitäten für die Anleitung der Berufsfach- und Fachschüler*innen, finanzielle Unterstützung der Träger für die Begleitung der Ausbildung, bessere Verzahnung der Lernorte Berufsfachschule/ Fachschule und den sozialpädagogischen Praxiseinrichtungen.
  • Eine Ausbildungsvergütung für Berufsfach- und Fachschüler*innen, Abschaffung des Schulgeldes.
  • Die Unterstützung und Begleitung der Einmündungsphase von Berufsanfänger*innen in das Arbeitsfeld Kita.
  • Eine Weiterqualifizierung vorhandener Fachkräfte um Karrieren und Aufstiege zu ermöglichen.
  • Die Entwicklung und Realisierung von Umschulungsangeboten (z.B. für „freigesetzte Arbeitnehmer*innen“ im Zuge des Personalabbaus durch die Digitalisierung) für den Beruf der Erzieherin/ des Erziehers, Finanzierung durch die Bundesagentur für Arbeit.
  • Den Ausbau der Kapazitäten in den Studiengängen Soziale Arbeit und Kindheitspädagogik, sowohl in den Bachelor- als auch Masterstudiengängen,
  • Die Gewinnung von Lehrkräften, z.B. durch akademisch gebildete Praktiker*innen (z.B. Fachberater*innen, Fortbildner*innen).
  • Den Ausbau der Kapazitäten in den Universitäten für das Lehramt an berufsbildenden Schulen / Sozialpädagogik.
  • Promotionsprogramme zur Gewinnung professoralen Nachwuchses für die o.g. Studiengänge. Ausbau der Berufsfach- und Fachschulkapazitäten bei Gewährleistung
    der Rahmenvereinbarungen der KMK.
  • Eine dauerhafte Beteiligung des Bundes an der auskömmlichen Finanzierung des gesamten Systems: Kita-Praxis, Trägersysteme, Ausbildung und Studium, Fort – und Weiterbildung, Beratung.