Gesundheit und Soziales

    Asklepios-Betriebsräte treffen Ministerpräsident Dietmar Woidke

    Asklepios Fachkliniken Brandenburg

    Asklepios-Betriebsräte treffen Ministerpräsident Dietmar Woidke

    In der aktuellen Tarifauseinandersetzung um faire Löhne unterbreitet der Arbeitgeber weiterhin kein faires Angebot.


    Nach einer erfolgreichen Warnstreikwoche mit insgesamt vier Warnstreiktagen in allen drei Kliniken treffen die Betriebsräte der drei psychiatrischen Asklepios-Fachkliniken Brandenburg an der Havel, Teupitz und Lübben am morgigen Freitag Ministerpräsident Dietmar Woidke, um mit ihm über die Situation in ihren Kliniken und die Auswirkungen auf die Beschäftigten zu sprechen. In der aktuellen Tarifauseinandersetzung um faire Löhne unterbreitet der Arbeitgeber weiterhin kein faires Angebot. 

    Acht Betriebsräte aller drei Standorte werden Ministerpräsident Dietmar Woidke am morgigen Freitagmittag in der Brandenburger Staatskanzlei treffen. Die Betriebsräte freuen sich über das Interesse des Ministerpräsidenten an ihrer Arbeitssituation. „Die Situation in unseren Kliniken ist sehr angespannt“, sagt Heiko Piekorz, der Betriebsratsvorsitzende in des Asklepios-Fachklinikums Lübben. „Die Kolleginnen und Kollegen verlassen uns reihenweise, weil die Arbeitsbedingungen so schlecht sind und das Management keine Anstrengungen macht, faire Tarifverträge mit uns abzuschließen. Wenn Fachpersonal geht, erhöht das natürlich den Druck auf die verbleibenden Beschäftigten. Auch darüber wollen wir mit dem Ministerpräsidenten sprechen.“ Gegen die schlechten Arbeitsbedingungen bei Asklepios wehren sich die Beschäftigten schon lange. In der aktuellen Tarifrunde fordern sie eine Angleichung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD, siehe unten: Zum Hintergrund). Dafür sind sie mehrere Male in den Warnstreik gegangen, zuletzt in dieser Woche für insgesamt vier Tage.

    In Hamburg zahlt Asklepios nach dem TVöD – in Brandenburg verweigert das Unternehmen ihren Beschäftigten den TVöD. Diese drastische Schlechterstellung wollen sich die Beschäftigten nicht weiter bieten lassen. „Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten im Osten länger und verdienen deutlich schlechter. Diese Ungerechtigkeit wollen wir 30 Jahre nach der deutschen Einheit endlich beenden“, sagt ver.di-Verhandlungsführer Ralf Franke.

    Zum Hintergrund:

    Seit April 2021 führen ver.di und die Asklepios Fachkliniken Brandenburg GmbH Tarifverhandlungen für die 1.450 Beschäftigten an den Fachkliniken in Brandenburg an der Havel, Teupitz und Lübben. Das Management will die Beschäftigten in Brandenburg für die gleiche Arbeit mit teilweise bis zu 10.600 Euro weniger pro Jahr auch in den kommenden Jahren deutlich schlechter bezahlen als in seinen Hamburger Kliniken. In Hamburg bezahlt das Management den und 12.500 Asklepios-Beschäftigten Tariflohn nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD).

    Dabei ist die Bezahlung der Krankenhausleistungen und der psychiatrischen Krankenhäuser bundesweit einheitlich. Es gibt also keine wirtschaftliche Rechtfertigung dafür, die Krankenhaus- und Psychiatriebeschäftigten in Ostdeutschland schlechter zu bezahlen als in Westdeutschland und ihnen den TVöD zu verweigern, so wie es Asklepios derzeit tut. „Es ist vielmehr Lohnraub, den der Arbeitgeber seit vielen Jahren betreibt“, sagt ver.di-Verhandlungsführer Ralf Franke.

    Die Unterschiede sind teilweise immens: In seinem letzten Tarifangebot verlangt der Arbeitgeber von seinen Pflegefachkräften in der Psychiatrie, von April 2021 bis März 2022 für 5.400 Euro brutto pro Jahr billiger zu arbeiten und für den Zeitraum von April 2022 bis März 2023 für 5.700 Euro weniger als die Hamburger Asklepios-Beschäftigten. Therapeutinnen und Therapeuten, die zu mindestens 50% ihrer Arbeitszeit in der Psychiatrie arbeiten, sollen in den gleichen Zeiträumen sogar auf bis zu 10.600 Euro pro Jahr verzichten – die angebotenen Corona-Sonderzahlungen sind da schon eingerechnet.

    Die Hamburger Asklepios-Beschäftigten bekommen dabei nicht nur mehr Lohn. Sie haben auch mehr Freizeit, da sie 1,5 Stunden weniger pro Woche arbeiten. „Eine Pflegefachkraft in Wechselschichtarbeit in der Psychiatrie soll mit dem Tarifangebot von den Asklepios-Fachkliniken im Land Brandenburg 90 Stunden oder umgerechnet 11 Arbeitstage im Jahr mehr arbeiten als bei Asklepios in Hamburg – bei monatlich bis zu 13 Prozent weniger Entgelt als in Hamburg“, sagt Ralf Franke. „Die Therapeuten in der Psychiatrie sollen mit den Tarifangebot von Asklepios weiterhin bis zu 21 Prozent weniger Entgelt als die vergleichbaren Therapeuten für die gleiche Arbeit bei Asklepios in Hamburg erhalten“, so Franke weiter.

    Zwischenzeitlich hatte die Geschäftsführung der Asklepios Fachkliniken Brandenburg GmbH behauptet, bis zu 16% Gehaltserhöhung bei einer Laufzeit von 24 Monaten angeboten zu haben. ver.di-Verhandlungsführer Ralf Franke widerspricht dem Management: „Die Behauptung gehört in die Kategorie der Fake News und soll die Öffentlichkeit falsch informieren. Das Management hat Gehaltserhöhungen erst für die Zeit ab 1. April 2022 in zwei Schritten für die Pflegefachkräfte in Wechselschichtarbeit in Höhe von insgesamt 8,5%, für die Therapeut/innen bis zu 5,3% und für alle anderen Beschäftigten nur bis zu 4,1% angeboten. Für die Monate April 2021 bis März 2022 hatte Asklepios eine Corona-Sonderzahlung angeboten. Dafür sollen sich aber die Gehälter in den Monaten April 2021 bis März 2022 nicht erhöhen. Außerdem fordert Asklepios eine Laufzeit von 33 Monaten.“ Diese drastische Schlechterstellung wollen sich die Beschäftigten nicht weiter bieten lassen. „Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten länger und verdienen deutlich schlechter. Diese Ungerechtigkeit wollen wir 30 Jahre nach der deutschen Einheit endlich beenden“, sagt ver.di-Verhandlungsführer Ralf Franke.